Es
ist dunkel. In den frühen Morgenstunden des Sonntags beziehen
die Jägerinnen und Jäger ihre Hochsitze. Der Backnanger
Hegeringleiter Volker Andrä hat zur Fuchsjagd aufgerufen. Über
vierzig Jagdpächter und deren Gäste beteiligen sich an
dieser ersten revierübergreifenden Ansitzjagd auf Reinecke Fuchs
im Raum Backnang.
10 – 12 Jahre alt kann ein Fuchs werden und jährlich
zieht die Fähe (Jägersprache für Füchsin) bis
zu zehn Welpen groß. Natürliche Feinde wie Wolf, Bär
oder Luchs hat der Fuchs bei uns nicht. Zur Erhaltung zahlreicher
gefährdeter freilebender Kleintiere ist seine konsequente Bejagung
erforderlich. Aber auch für den Menschen birgt der hohe Fuchsbesatz
eine große Gefahr.
Jeder zweite bis dritte Fuchs ist mit dem
Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) infiziert. Da die Fuchspopulation,
nicht zuletzt bedingt durch die flächendeckende Tollwutimpfung der Tiere,
in den letzten 10 Jahren um das Fünffache angestiegen ist, ist
mit einer zunehmenden Bedeutung dieser Infektion auch für den
Menschen zu rechnen.
Für den Fuchs hat ein Parasitenbefall keine schwerwiegenden
Folgen. Der Wurm pflanzt sich im Fuchsdarm fort und seine Eier gelangen
mit dem Kot schließlich in Wälder, Parks oder Gärten,
wo sie von Nagetieren wie Mäusen - den Zwischenwirten - mit
der Nahrung aufgenommen werden. In der Mausleber verursachen die
geschlüpften Larven innerhalb weniger Monate ein tumorartiges
Gewebe. Fängt ein Fuchs die geschwächte Maus, wachsen in
seinem Darm erneut Fuchsbandwürmer heran. Der Kreislauf ist
geschlossen.
Gelangen die Wurmeier über verunreinigtes Obst und Gemüse
fälschlicherweise in den menschlichen Darm, schlüpfen ebenfalls
Larven, die in die Leber wandern. Über einen Zeitraum von Jahren
wächst dort ein schwammartiges Gewebe heran, das die gesunden
Zellen des Organs langsam verdrängt. Ohne Behandlung führt
diese so genannte Alveoläre Echinokokkose zum Tod.
Die unspezifischen Symptome und der geringe
Bekanntheitsgrad der Erkrankung machen die Diagnose schwierig.
Oft wird die Krankheit erst erkannt, wenn Großteile der Leber befallen sind. Eine
Operation ist in diesem Stadium so gut wie ausgeschlossen. Erschwerend
kommt hinzu, dass zwischen Infektion und Ausbruch der Echinokokkose
bis zu 15 Jahre liegen können.
Nur bestimmte Medikamente, die ein Leben
lang eingenommen werden müssen, können die Larvenentwicklung stoppen. Eine vollständige
Heilung gibt es nicht. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen
Verbraucherschutz und Veterinärmedizin bezeichnet die Echinokokkose
folgerichtig als die gefährlichste und am häufigsten zum
Tode führende Erkrankung des Menschen durch parasitierende Würmer.
Infizieren können sich Menschen insbesondere durch roh verzehrtes,
bodennah wachsendes Obst wie Waldbeeren, Freilandgemüse oder
Früchte von Streuobstwiesen die mit Eiern des Fuchsbandwurms
verschmutzt sind. Dr. Romig vom Lehrstuhl für Parasitologie
der Uni Hohenheim rät deshalb, Freilandprodukte gründlich
zu waschen, was die Infektionsgefahr deutlich senkt. Abgetötet
wird der Erreger jedoch erst durch Erhitzen auf über 60 Grad
Celcius. Die herkömmliche Tiefkühltruhe oder Alkohol überlebt
der Parasit unbeschadet.
Der Deutsche Jagdschutz-Verband weist darauf
hin, Füchse nicht
durch Fütterung oder offene Mülltonnen in menschliche Siedlungen
zu locken oder gar als Dauergast im Garten zu pflegen. Katzenfutter
sollte nachts ins Haus geräumt werden, Speiseabfälle gehören
nicht auf den offenen Komposthaufen.
Da ferner eine Ansteckungsgefahr durch den
direkten Kontakt mit infizierten Tieren besteht, sollten Mäuse fangende Katzen und
Hunde regelmäßig entwurmt werden.
„Nein“, sagt Volker Andrä bestimmt, „ausrotten
wollen wir den Fuchs nicht. Doch es gilt jede Chance zu nutzen, den
hohen Bestand zu reduzieren.“ So konnten nach knapp dreistündigem
Ansitz, zusammen mit dem ersten Rehbock eines Jungjägers, neun
erlegte Füchse zur Strecke gelegt werden. Ein schöner Erfolg
für den Hegering Backnang!
Das an diesem Morgen ausgefallene Sonntagsfrühstück wurde
gemeinsam mit einem deftigen Weißwurstessen nachgeholt. Natürlich
nach sorgfältigem Händewaschen!
IWO
Die sehr gute Broschüre „Der Kleine Fuchsbandwurm – Verbreitung
und Infektionsrisiko“, verfasst von dem Parasitologen Dr. Thomas
Romig von der Universität Hohenheim, ist für 0,50 Euro
zuzüglich Versandkosten erhältlich beim:
Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V.
Kernerstr. 9
70182 Stuttgart
Tel. (07 11) 2 68 43 60
Fax (07 11) 26 84 36 29
Internet: www.landesjagdverband.de
E-Mail: info@landesjagdverband.de |